Gleichstellung

#WhiteWednesdays: Von mutigen Frauen

Wenn ich morgen früh an meinen Kleiderschrank gehe, dann habe ich die Wahl. Ziehe ich einen kurzen Rock an oder eine Hose und ein schön tailliertes Oberteil. Gehe ich zum Spiegel und mache mir die Haare, kann ich mir überlegen, ob ich sie offen trage oder einen Zopf. Trage ich Make-Up oder nicht – ich habe die Wahl. Für mich eine Selbstverständlichkeit. Das ist nicht überall so.

Kennt ihr den #WhiteWednesdays? Unter diesem Hashtag veröffentlichen Frauen aus dem Iran Bilder von sich mit einem weißen Kleidungsstück oder weißen Kopftuch oder auch ganz ohne Kopftuch. Das Ganze als Protest gegen den Kopftuchzwang. Denn diesen gibt es nicht schon immer im Iran. Erst nach der Islamischen Revolution 1979 und Ayatollah Khomeini wurden Frauen gezwungen das Kopftuch zu tragen, auf Make-Up und westliche Mode zu verzichten. Selbst kurzärmelige Oberteilen sind seither tabu – unvorstellbar für uns.
Der Hashtag knüpft an die Facebookseite »My Stealthy Freedom« (Meine heimliche Freiheit) an. 2014 initiiert von der iranischen Journalistin Masih Alinejad, hat sie inzwischen über eine Millionen Fans und Abonnenten. Alinejad zahlt dafür einen hohen Preis, sie lebt im Exil. Nach Beginn der Kampagne veröffentlichte eine Nachrichtenagentur ein Foto von ihr und betitelte sie unter anderem als Prostituierte. Ihr geht es gar nicht darum Frauen zu sagen, sie sollen den Hijab nicht tragen, ihr geht es darum, den Frauen eine Plattform zu bieten, damit sie ihre Meinung sagen beziehungsweise zeigen können.

Nahezu täglich werden Bilder gepostet, auf denen Frauen ihre ganz persönliche Freiheit demonstrieren. Nämlich selbst entscheiden zu können, ob sie das Kopftuch tragen oder nicht – darum geht es! Es ist keine politisch motivierte Seite. Die Frauen möchten nur wieder frei entscheiden können. Für uns normal, für die Frauen im Iran wahnsinnig gefährlich. Ein Iraner hat mir erzählt, dass der Geheimdienst durchaus schon Frauen gesucht hat, nachdem sie ihre Bilder gepostet haben. Und dann? Die Frauen verlieren ihren Job, landen im Gefängnis… will man sich alles nicht vorstellen. Und das ist dann der Moment, an dem ich Gänsehaut bekomme, weil es diese mutigen Frauen sind, die das wahrscheinlich nicht für sich selbst tun, aber der nächsten Generation helfen. Für diese Kampagne bekam Masih Alinejad übrigens schon einen Preis für Menschenrechte. Verdient, wie ich finde!

Es ist übrigens so, dass es im Iran auch viele Männer gibt, die das Projekt unterstützen. Aktuell posten auch Männer unter dem Hashtag #MenInHijab Bilder von sich mit Kopftuch, um die Frauen zu unterstützen. Großartig!

Und nun seid ihr dran. Zwei Dinge: Klickt »gefällt mir« auf der Facebook-Seite, um den Frauen im Iran zu zeigen, dass sie nicht alleine sind! Und schätzt, wenn ihr morgen früh vor eurem Kleiderschrank steht, was ihr habt – und denkt mal ganz kurz an die Menschen, die nicht diese Wahl haben!

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