Medien

Wenn Rassisten Kinderfernsehen gucken

Die Aufregung um die KiKa-Sendung »Schau in meine Welt«, bei der ein 16-jähriges Mädchen und ihr 19-jähriger Freund porträtiert werden, sorgt derzeit im Netz für große Aufregung. Das »Problem«: Sie ist Deutsche, Christin. Und er Syrer, Flüchtling aus Aleppo und Moslem. Die Sendung wurde Ende November ausgestrahlt. Jetzt wandert die Geschichte durch Facebook und jeder, der Ausländern auch nur minimal kritisch gegenüber steht, kommentiert. »Hilfe, wie kann sowas denn ins Kinderfernsehen kommen?«, ist dabei noch die harmlose Variante – wenn auch nicht minder hirnlos als die Mehrzahl der übrigen Kommentare.

Der Witz dabei: Nicht die Geschichte an sich ist das Schlimme, sondern wie sich die Menschen vor ihren Bildschirmen dazu äußern. Schon immer gab es Pärchen aus unterschiedlichen Ländern, mit unterschiedlichen Religionen. Selbst unter Christen kamen teilweise Mitglieder der Familie nicht zur Hochzeit, wenn der andere einer anderen Konfession angehörte. Aber, und das ist der Punkt:  Nicht immer gab es die Möglichkeit, so offen seine rassistische Einstellung zu präsentieren wie heutzutage auf Facebook.

Wenn ich in den Kommentare schon Begriffe wie »Rassenvermischungsplan« lese, möchte ich ganz ganz laut schreien. Meine, unsere Kinder gehen doch unvoreingenommen aufeinander zu. Die Kids stört es doch nicht, ob da jemand ein Kopftuch trägt oder die Haut vielleicht etwas dunkler ist. Erwachsene stören sich daran. Warum? Warum haben viele so große Angst vor Menschen aus anderen Kulturkreisen?

In der Folge »Schau in meine Welt« wird ganz gut gezeigt, dass auch ein junges Mädchen ihre Meinung offensiv vertreten und durchsetzen kann. Der Beitrag unterschlägt keinesfalls, dass zwischen beiden kulturelle Differenzen bestehen. Er hätte gern, dass sie ein Kopftuch trägt, sie will das nicht. Ende Gelände. Wo ist das Problem? Konflikte und Meinungsverschiedenheiten gibt es überall. Und ja, auch wenn ein AfD-Mann nun den großen Zusammenhang zum Mord in Kandel bringt, ist es doch Wahnsinn zu glauben, dass jeder Flüchtling seine Ex ersticht. Hey, sorry, mein deutscher Ex hat mich „nur“ verprügelt, als ich Schluss gemacht habe! Muss ich damit jetzt bei allen Deutschen rechnen?!?

Natürlich kann man jetzt heuchlerisch über die Rechte der Frauen sprechen, aber immer fein wegschauen, wenn die eigene Nachbarin mit blauem Auge vorbei kommt! Ich finde, der Skandal ist nicht das TV-Format, der Skandal ist der offene Rassismus – befeuert durch die BILD-Zeitung, die die hetzerische Äußerung eines AfD-Politikers wieder einmal zum Anlass nimmt, ins Populistenhorn zu stoßen. Schämt euch!

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