Politik

Wahlk(r)ampf, oder: So billig bekommt Ihr meine Stimme nicht!

»Die Bundestagswahl dient der Bestimmung der Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Sie findet nach Art. 39 des Grundgesetzes grundsätzlich alle vier Jahre statt.« Das sagt Wikipedia. Die vier Jahre sind fast rum und 61,5 Millionen Wahlberechtigte dürfen am 24. September zwei Kreuzchen machen. Aber Hallo? Wahlkampf? War da was? Haben Sie etwas mitbekommen?

Nun kann man sicher sagen: Hol- und Bringeschuld – Asche auf mein Haupt. Aber seien wir doch mal ehrlich: Jeder hat mit sich zu tun – und mein Kalender ist voll mit Geburtstagen, Arbeitsterminen und Elternabenden.

Der Einzige, der es bisher über meine Tür- und Gedankenschwelle geschafft hat ist Tilo Kießling. Der Direktkandidat der LINKEN in meinem Wahlkreis lag tatsächlich rund zwei Wochen in meinem Briefkasten – also sein Flyer. Es tut mir leid, lieber Tilo Kießling, ich denke, Sie können noch nicht einmal etwas dafür. Ich habe nur gar keinen Anlass gesehen, Sie mit in meine Wohnung zu nehmen. Warum? Ein DIN-lang Flyer, auf dem unter ihrem Gesicht in fetten Lettern »Bekanntmachung« steht – ich bin schwer zu kriegen, lieber Tilo Kießling, das gebe ich zu.

Aber nun haben Sie es geschafft, Sie liegen vor mir auf dem Schreibtisch. Ich könnte Ihren Flyer nun aus mehreren Gesichtspunkten heraus zerpflücken. Aber ehrlich, wenn Sie doch schon anfangen mit »Sie interessieren sich für linke Politik…« Ähm… Stille!

Zu Ihrem Programm, Ihren Zielen und Plänen findet sich nichts auf dem Flyer. Aber lieber Herr Kießling, ich muss Ihnen danken: Ohne Ihren Flyer wäre mir die Bundestagswahl möglicherweise komplett durchgegangen.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Schuppen fallen von meinen Augen. Doch, irgendwie hab ich was mitbekommen. Merkel vs. Schulz – stimmt, da war was. Aber wieso liegt dann Herr Kießling in meinem Briefkasten?

Kleiner kurzer Exkurs: Bei der Bundestagswahl wähle ich als Bürger (kurzer Break und kleine Freude: ja, hier in Deutschland darf ich mitbestimmen!) die Zusammensetzung des Deutschen Bundestages. Das heißt, ich darf zwei Kreuzelchen machen, die Erststimme für den Direktkandidaten aus meinem Wahlkreis – in meinem Fall unter anderem Herr Kießling (Wie die anderen heißen, das muss ich mir wohl erarbeiten). Der Direktkandidat könnte potentiell direkt ins Parlament ziehen – hätte hätte Fahrradkette – er die relative Mehrheit der Stimmen im Wahlkreis. Die Zweitstimme entscheidet darüber, welche Partei wieviele der 598 Sitze im Bundestag hat. Bei Landtagswahlen ist es übrigens ähnlich. Und nun Merkel vs. Schulz? Der Bundeskanzler wird dann vom Bundestag gewählt. Da hab ich also nur indirekt etwas mitzubestimmen. Soviel zur Theorie.

In der Praxis interessiert mich doch aber, welcher Kandidat beziehungsweise welche Partei nun für was steht. Was sind deren Ziele? Themen? Sehe ich das richtig, dass ich mir das jetzt alles selbst erarbeiten muss? Kommt da noch was?

Ich wüsste gern: Was soll sich ändern? Wer steht hier für was?

So billig bekommt hier keiner meine Stimme. Ein klein wenig mehr Gebrüll hätte ich doch gern, Herr Löwe!

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