Medien, Politik

Von Anstand und Respekt

Seit einigen Tagen verfolge ich die Diskussion über die Frage, ob das ZDF-Team beim Merkel-Besuch etwas falsch oder ob die Polizisten hätten etwas anderes tun müssen – oder, auch das kommt vor, ob der Demonstrant vielleicht einfach einen an der Waffel hat. Und ob die erste Äußerung vom Ministerpräsidenten Michael Kretschmer nun angemessen gewesen sei oder nicht.

Ehrlich, ich …. *setzen Sie bitte hier Ihre eigene Position zum Sachverhalt ein und fühlen sich verstanden, das macht die ganze folgende Diskussion viel einfacher*

Was mich bei dem ganzen Thema nämlich schon wieder auf die Palme bringt und irgendwie gar nicht thematisiert wird, ist die Frage: In was für einer Art und Weise gehen wir eigentlich miteinander um?

Ich habe mal gelernt: Der Ton macht die Musik. So bin ich erzogen. Anstand und Respekt meinem Gegenüber.

All das sehe ich bei dem Video nicht und ich frage mich: Warum ist der Demonstrant nicht einfach zu dem Kameramann gegangen und hat gesagt: »Entschuldigen Sie bitte, ich möchte nicht gefilmt werden – schon gar nicht ins Gesicht!« oder »Es ist mir wichtig, dass mein Gesicht nicht im Fernsehen zu erkennen ist, können Sie da bitte für sorgen?«

Hätte dann die ganze Situation vielleicht auch nach 10 Minuten erledigt sein können?

Stattdessen aber gehen alle auf Konfrontation. Zuerst verbal, dann noch mit Schlägen Richtung Kameramann (die gezeigten Stinkefinger anderer Demo-Teilnehmer möchte ich hier mal gar nicht erwähnen). Und auch in der Folgediskussion jetzt im Netz, »brüllen« sich alle an und zeigen mit dem Finger auf andere.

Könnten wir vielleicht mal wieder anfangen, in Ich-Aussagen zu reden? Uns an die klassischen Regeln von Respekt, Anstand und Höflichkeit erinnern und die auch zur Anwendung bringen? Manchmal vielleicht auch einen Moment nachdenken, durchatmen und erst dann sprechen?

Kleiner Hinweis an den Pegida-Demonstranten: Mich persönlich verletzt es, wenn sie als das Bild des Dresdners durch die deutschlandweiten Medien gehen. Mich macht es traurig, wenn ich als Deutsche, als Sächsin und Dresdnerin, so wahrgenommen werde, wie sie in die Kamera schreien. Mir gruselt es davor, mich beim nächsten Urlaub wieder einmal für solche Menschen wie sie rechtfertigen zu müssen. Und ja, ich schäme mich für Sie!

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