Politik

Sagt ein Politiker zum anderen…

Zwergenaufstand hier und #KikaGate da. Was mich ja angesichts der aktuellen Debatten echt beschäftigt: Wie gehen wir eigentlich miteinander um? Ich schrieb neulich erst, dass ich die Kommentare unter dem KiKa-Beitrag so unterirdisch fand und es scheinbar niemanden mehr stört.

Als ich 11 oder 12 Jahre alt war, hörte ich, wie sich zwei Mädchen auf dem Schulhof unterhielten und eine dritte als »Schlampe« bezeichneten. Ja, ich mag damals vielleicht noch sehr naiv oder eine Schimpfwort-Jungfrau gewesen sein, aber in mir löste das ein kleines Erdbeben aus. Ich verstand wirklich nicht, wie man sowas über jemanden sagen kann. Ja, da ist mal jemand dumm oder blöd, aber hey… »Schlampe« ging für mich damals echt zu weit. Lange ist es her und wenn ich mal eher zu Hause bin und die Kinder von der Oberschule in unserer Straße nach Hause gehen höre, scheinen inzwischen »Fick dich« oder »Hurensohn« das Normalste auf der Welt zu sein.

Nun bin ich so aufgewachsen, dass ein Lehrer eine Respektsperson ist. Die Schulleiterin begrüßte uns jeden Morgen an der Schultür und ja, die Mützen haben wir abgesetzt aus Respekt (weil wir es mussten 😉 ). Der Bürgermeister in unserem Dorf war eine Person, die jeder kannte, die wir beinahe schon ehrfurchtsvoll grüßten und natürlich immer siezten.

Daher war es für mich gar keine Frage, ob ich dann, als ich 18 war, zur Wahl gehe. Das gehörte einfach dazu.

Jetzt, viele Jahre später lese ich, wie ein Politiker protestierenden Vertretern einer anderen Partei einen »Zwergenaufstand« vorwirft. Zum Glück hat er sie nicht »Pack« oder »Schande« genannt – und will auch niemandem einen »in die Fresse« geben. Aber spinnen wir das doch mal kurz weiter… Wundern wir uns wirklich, wenn Menschen bei Facebook öffentlich den Politikern mit Schimpfworten begegnen? Sollten »die da oben« nicht eigentlich die sein, die sich benehmen können, die sich und ihre Wortwahl im Griff haben sollten? Sollten sie nicht Vorbild sein?

Und, wenn wir das Ganze mal herumdrehen: Wie möchten Politiker denn, dass die Bürger mit ihnen umgehen? Wie wollen denn Politiker, dass politisch Engagierte, wenn sie protestieren, mit ihnen umgehen? So wie es in den Wald ruft… autsch. Und letzten Endes: Worauf zahlt das ein, wenn die kritische Diskussion über ein Verhandlungsergebnis als »Zwergenaufstand« abgewertet wird? Was ist mit dem Kompromiss als Notwendigkeit der Demokratie – müsste man den nicht würdigen und erklären und für die gemeinsame Lösung streiten?

Wir wundern uns über den allgemeinen Hass im Netz und sehen dann, wie abfällig einzelne Politiker – also die, denen wir eigentlich Respekt zollen sollten – mit der demokratischen Kultur und den demokratischen Streitgegner umgehen!

Und auch wenn ich mich wiederhole: Der Ton macht die Musik – das geht natürlich in beide Richtungen.

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