Gleichstellung

Mädels, wir müssen reden

Gestern war ich beim Ladies Lunch. Eingeladen von der Sächsischen Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping trafen sich gut 80 Unternehmerinnen und Gründerinnen in Chemnitz im Pumpwerk eins zum gemeinsamen Kennenlernen und Netzwerken. Cool Sache, wie ich finde. Und tatsächlich hat sich – Autobahn und Stau sei dank – meine Meinung zum Thema Gleichstellung nochmal ein wenig mehr verschärft. Nicht das ich vorher hier schon ne kleine Kämpferin für Gerechtigkeit gewesen wäre… 😉

Das Thema Gleichstellung ist wichtiger denn je

Mein Innerstes sagt mir immer, es muss alles fair und gerecht zugehen, jeder soll eine Chance haben und eigentlich sind alle Möglichkeiten da… bla bla bla… Genau, eigentlich!

Und so war auch mein erster Gedanke, als alle an ihren Tische saßen: Himmel, jetzt werden hier die Männer gedisst und die Frauen planen die riesen Verschwörung. Aber in so geballter Frauenrunde hört man doch so manche Geschichte, die klar macht, dass die Themen ›Frauen in Führungspositionen‹ und ›Gründerinnen‹ wichtiger denn je sind.

Nun könnte ich ein wenig rumjammern, was ich in den letzten Jahren doch so als Frau für Erfahrungen gemacht habe, mit den Männern. Dass mir grundsätzlich nicht ins Gesicht, sondern auf die Brüste geschaut wird, mit Männern denen es eigentlich wurscht ist, was ich erzähle, weil mein Mann ja noch dabei ist und mit Männern die (Achtung, im Kundentermin – ich mit Kollegin unterwegs) »sich da mal zwei Damen haben kommen lassen«. Bis gestern habe ich das nur für meine persönliche Erfahrung gehalten.

Gestern habe ich mich in der – leider viel zu kurzen Zeit – mit einigen Frauen über ähnliche Erfahrungen unterhalten. Da war irgendwie alles dabei, von Frauen, die nicht ernst genommen wurden oder werden, über Frauen, die jahrelang zu kämpfen hatten – wohlgemerkt neben den Kindern, Haushalt – um sich ihre Position zu erkämpfen. Bis hin zu Frauen, deren Ehemänner einfach mit ihrem Erfolg nicht klar gekommen und gegangen sind. Toll, oder? Und dann erzählt die Ministerin doch tatsächlich, dass sich bei Bekanntmachung der Veranstaltung ein Mann gemeldet hat, der die ganze Nummer diskriminierend findet… Jackpot!

Frauen Netzwerken anders

Ja, für Männer gibt es viel: Lions Club, Rotary Club oder irgendwelche Stammtische. Und wir Frauen? Wir – und da spreche ich aus Erfahrung – treffen uns beim Abholen der Kinder im Kindergarten oder beim auf die Kinder warten im Sportverein. Viel mehr gibt es nicht. Auf uns Frauen wartet nach der Arbeit ein Korb Wäsche zu Hause, mit dem die Kommunikation gewöhnlich eher still ist.

So war gestern nun endlich die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen. Spannend finde ich dabei wie Frauen netzwerken. Ehrlich, hätte mich mein Mann nicht noch daran erinnert (er hat ja auch seine Stärken), ich hätte die Visitenkarten glatt zu Hause vergessen. Ich bin nicht so die »Mein Haus, mein Auto, mein Business-Typ«. Und wie mir einige Frauen bestätigten, sie auch nicht. Eine der Anwesenden empfahl dann auch: Versuche beim Netzwerken bloß nicht wie ein Mann zu sein!

Müsste ich die Gespräche in zwei Teile einteilen, so würde ich sagen, kam zuerst Name und Job, eine kurze Erklärung was man macht – und dann ging es um die Kinder. Witzigerweise habe ich kaum ein Gespräch geführt, in dem nicht irgendwie der Nachwuchs vorkam – und ja auch die Schwierigkeiten, Familie, Kinder und Job unter einen Hut zu bringen. Das verbindet und schweißt zusammen.

Ich schaffe das, ich muss mich nur anstrengen

»Ich habe ja in meiner Jugend Sport gemacht«. Auch diesen Satz habe ich ständig gehört. Die eine Frau aus Chemnitz: früher Turnerin. Eine andere Schwimmerin. Die Nächste: Leichtathletin. Auch ich habe in meiner Jugend Sport gemacht. Mit bereits 4 Jahren wurde zu DDR-Zeiten viel Ehrgeiz, Disziplin und Fleiß antrainiert. Ich würde lügen, wenn ich nicht behaupten würde, dass das heute bei mir keine Rolle mehr spielt. Auch ich hatte viele Momente, in denen ich ziemlich fertig war oder bin. Aber doch rappelt man sich immer wieder auf – aufgeben ist nicht vorgesehen

Eine Unternehmerin, ebenfalls ehemalige Sportlerin, erzählte mir ihren schweren Start in die Selbständigkeit. Ihr Mann, erfolgreicher Anwalt, traute ihr das alles nicht zu, hielt ihre Erfolge eher für Rumgespinne. Dann die Scheidung. Sie hatte nur zwei Möglichkeiten: Im Loch liegen bleiben und heulen oder aufstehen und kämpfen. Sie sagte: »Im Sport habe ich auch nie aufgegeben«. Das kämpfen hat sich ausgezahlt. Heute ist sie erfolgreich und schreibt schwarze Zahlen. Großartig!

Mein Fazit zum gestrigen Termin

Das Treffen zeigte mir, dass wir Frauen es eben doch nicht ganz so einfach haben und ein wenig mehr kämpfen müssen, um zu zeigen, was wir können. Nicht zuletzt, weil wir Frauen uns gern mal kleiner machen, als wir eigentlich sind, und uns vieles nicht zutrauen. Ich bin nicht die, die immer auf Krampf gendern muss. Absolut nicht. Aber ich bin für Fairness.

Previous Post Next Post

You Might Also Like

Kein Kommentar

Leave a Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.