Gleichstellung, Medien, Politik

Frauen in Medien und Politik

Neulich war ich in Köln. Bei den »Medienfrauen NRW 2017« habe ich einen Workshop zum Thema »Präsentieren und Netzwerken« gegeben. Eine super Veranstaltung, um jungen Frauen zu zeigen, was alles machbar ist. Um ihnen Mut zu machen und um in Zukunft so hoffentlich viel mehr Frauen in Medienunternehmen zu sehen. Denn gerade Chefredaktionen und Redaktionsleitungen sind überwiegend mit Männern besetzt. Auf den verschiedenen Panels bei den Medienfrauen waren sich alle ziemlich einig, dass redaktionelle Themen anders gesetzt werden würden, wenn mehr Frauen entscheiden könnten. Aber auch hier: Die Mischung machts.
Den Live-Blog zum Workshop und den Panels könnt ihr auf der Seite der Medienfrauen NRW nachlesen.

Sehr spannend fand ich, was für Fragen von den Teilnehmerinnen kamen. Zum Beispiel kam eine junge Frau zu mir und fragte: »Was wenn ich nun aber den Job unbedingt haben möchte und der Chef schon beim Einstellungsgespräch seltsame Andeutungen macht?«

Ganz klar: STOP! Nein, Mädels, tut euch das nicht an. Kein Job dieser Welt ist es wert, dass ihr euch so krumm macht. Ihr studiert, ihr lernt, ihr habt vielleicht ein Fachgebiet. Wenn es schon beim ersten Gespräch so beginnt, dann wird es auch so weitergehen. Es gibt genug Menschen, bei denen auch ich mich frage, wie sie an den jeweiligen Job gekommen sind… Aber nein, ihr wollt wegen eurem Können und eurem Wissen beschäftigt werden – nicht wegen Äußerlichkeiten. Wir leben schon lange nicht mehr in der Steinzeit und sollten uns auch nicht mehr so benehmen oder behandeln lassen. Steht zu euch, seid stark und mutig. Wenn es einmal schief geht, dann ist es so.

Die Medienfrauen-NRW-Veranstaltung weckte in mir noch einen ganz anderen Gedanken: Wieso machen wir so etwas nicht auch hier in Sachsen? Ich würde es gleich von Medien auch um das Arbeitsfeld Politik erweitern. Denn nicht nur in Medienunternehmen arbeiten zu wenig Frauen, auch in der Politik sind es viel zu wenige.

Ein paar Zahlen: Derzeit sind es nur noch 30,7 Prozent weibliche Abgeordnete im Bundestag – so wenige waren es zuletzt vor gut 20 Jahren. Im sächsischen Kabinett sind nur drei Frauen vertreten – bei insgesamt 11 Ministern. Und, festhalten, ein kurzer Blick in die Kommunalpolitik: Nur 12 Prozent der Bürgermeister in Sachsen ist weiblich! Ich bin mir sicher: Nicht nur in Medien würde die Themensetzung mit mehr Frauen in der Verantwortung anders aussehen, auch in der Politik. Gerade Angela Merkel wird doch immer wieder für ihr überlegtes Handeln gelobt…

Gründe für so ein Format haben wir genug!

Mit dem Taxifahrer, der mich in Köln zum Flughafen brachte, habe ich mich darüber unterhalten, wieso so wenige Frauen in die Politik gehen. Er, 73, ursprünglich Sachse und seit einer gefühlten Ewigkeit Kölner, meinte, dass Frauen ja immer klein gehalten werden. Und dann trauen sie es sich eben auch nicht mehr zu. Woher soll der Mut auch kommen, wenn man immer nur mit Kindern, Kochen und Haushalt beschäftigt ist? Da ist was dran. Wie viele Frauen mit Kindern gibt es denn wirklich in Full-Time-Jobs? Der Spagat ist eben nicht leicht.

Und es geht ja noch weiter: Männer die in Elternzeit gehen, sind oftmals die »Waschlappen«, wie mir jüngst wieder erzählt wurde. Absurd! Aber wegen solcher Erwartungshaltungen bleiben Männer im Job und das Frauchen zu Hause. Das Gehalt des Mannes ist ja sowieso höher (Achtung, Gender Pay Gap! Wir erinnern uns an satt 21 Prozent weniger Lohn für Frauen – selbst beim bereinigten Wert sind es noch 6 Prozent). Und so weiter, und so fort – das zieht sich so durch die verschiedensten Bereiche. Ich kenne kaum Frauen, die noch Vollzeit arbeiten. Mit mehr als einem Kind wird es immer schwerer, überhaupt einen Job zu finden. Der Rentenbescheid bringt die bittere Wahrheit dann nach Jahren in kleiner Zahl auf Papier.

Seit dem Rückflug von Köln denke ich nun ersthaft darüber nach, was es für Möglichkeiten gibt, um junge Frauen für Medien- und Politik-Berufe fit zu machen und langfristig auch mehr Frauen in diesen Bereichen zu sehen.

Was also können wir tun? Eine jährliche Veranstaltung? Eine Kampagne? Oder vielleicht auch eine Art Womens-Day mit Vermittlung in Politik- und Medien-Unternehmen? …

Ich hab eine Menge Ideen, aber es ist noch nicht ausgereift – wer auch Ideen hat, immer gern zu mir.

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