Agentur

Nö, mach ich nicht!

Als Leiterin einer Agentur mit mehreren Mitarbeitern freue ich mich regelmäßig, wenn eine Angebotsabfrage ins Haus flattert. In der Regel weiß der Kunde schon ziemlich genau, was er will. »Bitte unterbreiten Sie uns ein Angebot zur Erstellung eines Kommunikationskonzeptes«, wahlweise auch eine Website, die Umsetzung einer Broschüre oder noch besser eine Kampagne. Soweit so gut.

Kürzlich erhielt ich wieder eine solche Email. Absender ein Kunde aus öffentlicher Hand – ein Ministerium. Eine mehr oder weniger schlaflose Nacht später meine Antwort an den Kunden:

Sehr geehrte Damen und Herren*,

wir werden uns an Ihrer Ausschreibung »…*« nicht beteiligen. Ich möchte Ihnen auch gern erklären, warum. In Ihrer Angebotsabfrage steht neben dem Wunsch nach Preisen Folgendes:

»Bitte fügen Sie dem Angebot eine Arbeitsprobe bei. Diese soll einen Entwurf für den Veranstaltungstitel, das Logo und ein Plakat beinhalten.« 

Nun müssen Sie wissen, dass ich grundsätzlich sehr großes Interesse an dem Auftrag habe, weil ich es thematisch sehr spannend finde und denke, man kann da wirklich schöne Dinge machen. 

Aber, um einen kreativen und wirklich überzeugenden Veranstaltungstitel für Sie zu entwickeln, werde ich mit mindestens zwei bis drei Mitarbeitern mehrere Stunden damit beschäftigt sein, eine Idee zu entwickeln. Für das Logo und das Plakat werden ein Mitarbeiter der Grafik und ich zuerst Entwürfe skizzieren und diese dann umsetzen. Summa summarum kommen hier schon einige Agenturstunden, wenn nicht Tage Arbeit zusammen. Soetwas entwickelt sich eben nicht nebenbei oder innerhalb einer Stunde. 

Verstehen Sie mich nicht falsch, die Zeit für das Verfassen des Angebotes nehme ich mir gern. Darin finden Sie eine kurze Vorstellung der Agentur, unsere Leistungen, eine Zusammenfassung der Aufgabe, unserer Herangehensweise und den Preis, sofern wir zusammenkommen. Am Rande angemerkt: Referenzen unserer Arbeit finden Sie übrigens online auf unserer Webseite.

Nun soll ich bei Ihnen aber konkret auch Leistung erbringen. Und zwar nicht nur etwas »Kleines«, nein, gleich drei Dinge, die schon einen beachtlichen Geldwert haben. Von wenigstens einer Aufwandsentschädigung (in anderen Häusern durchaus üblich) für diese Arbeitsleistung steht in Ihrer Angebotsabfrage nichts. Sind Ihnen Agenturleistungen, die kreative Entwicklung eines Logos, eines Veranstaltungstitels und eines Plakates, nichts wert? Oder soll ich meinen Mitarbeitern erklären, dass ich sie in der Zeit leider nicht bezahlen kann? 

Ich war zunächst ziemlich hin- und hergerissen. Natürlich möchte ich Aufträge generieren und gern würden wir unsere kreative Kompetenz für Sie einsetzen. Aber wie weit gehe ich, um solche Aufträge zu bekommen? Summiere ich die Arbeitszeit für die gewünschten Arbeitsproben und schlage diese in Form von Agenturstunden auf mein Angebot drauf, bin ich preislich gesehen vermutlich in der oberen Kategorie – und für Sie, der offenkundig sehr kostenorientiert arbeitet, wahrscheinlich zu teuer.

Ehrlich, ich frage mich: Würden Sie jemanden umsonst arbeiten lassen? Und wird der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin, der oder die diese Ausschreibung verfasst hat, dafür eigentlich honoriert? 

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir für Ihre Ausschreibung kein Angebot abgeben werden. Gern sind wir wieder bei Ausschreibungen dabei, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. 

Mit freundlichen Grüßen

Romina Stawowy

 

Mein persönlicher Wunsch: Vielleicht kann die Sächsische Staatsregierung ja am Vergabeverfahren insofern etwas ändern, dass auch im Ausschreibungsverfahren erbrachte Leistungen fair bezahlt werden.

 

*Ich bitte um Verständnis, dass ich den Kunden und das Projekt hier nicht nennen möchte.

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